Erwartungen als Hindernis

Seit Jahren, vielleicht schon seit immer träume ich wie so viele andere Menschen da draußen davon, eines Tages von meiner Kunst leben zu können. Wahrscheinlich sind die Möglichkeiten, dass dieser Wunsch Realität wird so gut wie noch nie zuvor. Im Jahr 2026 trennt mich nur noch ein Klick vom Rest der Welt. Nur ein Klick oder auch ein paar mehr und schon kann Jeder sehen, was ich dort an meinem Schreibtisch erschaffe. Und Stück für Stück, mit jedem weiteren Upload, sammle ich eine Jüngerschaft an Followern.

Wie traumhaft…

Wenn es nur so einfach wäre.

Seit 2010 treibe ich mich im Internet herum, damals war es deviantArt und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich mich nicht komplett allein gefühlt. Da draußen waren noch Andere wie ich und ich teilte meine Bilder. Mehrfach die Woche bestückte ich meine Seite. Ich entdeckte andere Künstler, Kommentierte fleißig, war inspiriert und hatte viel Spaß. Das Internet war damals ein Ort der Wunder für mich.

Allerdings dauerte es nicht allzu lang und ein mulmiges Gefühl eroberte mich. Wenn ich ein Bild ins Internet stellte und sich Niemand meldete. Irgendwann ging es nicht mehr nur ums Posten, sondern auch um Anerkennung und diese blieb meistens aus. Deshalb stellte ich irgendwann nichts mehr online. Oder zu mindestens sehr, sehr lang nicht mehr. Immer mal wieder versuchte ich es. Noch immer zeichne ich so gut wie jeden Tag, ich könnte Jahre Bilder ins Internet stellen, aber ich tat es nicht.

Später erstellte ich mir einen Instagram Account und dieser schlug nach viel Geduld sogar an. Ich hatte Follower, irgendwann über 5.000 und nahm sogar Videos für YouTube auf. Aber der Erfolg machte mich nicht glücklich, denn die Bilder, die ich eigentlich zeichnen wollte, funktionierten nicht. In den Bildern mit denen ich Geld verdiente, fehlte die Seele und kurz darauf verblasste auch der Erfolg.

Seither sind einige Jahre vergangen.

Künstlerisch bin ich gewachsen und so zufrieden mit meinen Werken wie noch nie zuvor. Ich entwickle mich allmählich vom Status eines Amateurs zu einem Profi. Die Arbeit an meiner Romanreihe ist von Zeit zu Zeit zäh, aber es es fehlt nur noch das Abschicken meines Exposés. Fünf Romane habe ich in den letzten Jahren geschrieben. Über 4.500 fertige Seiten. Ich arbeite unermüdlich daran, Abends nach meiner Arbeit. Meine Kunst ist mir das Wichtigste dieser Welt, ich strahle vor Stolz beim Erzählen darüber, aber warum schaffe ich es dann nicht, das Exposé zu versenden oder meine Zeichnungen ins Internet zu stellen?

Angst vorm Scheitern? Kritik?

Lieber ein erfolgloser Künstler den Niemand kennt, als ein erfolgloser Künstler der abgewiesen wurde…

…aber eigentlich passt das so gar nicht zu mir. Wer mich kennt der weiß, dass ich zu dieser „Haudrauf“ Sorte von Mensch gehöre. „JUST DO IT!!!“ steht seit mehreren Jahren in meiner WhatsApp Bio und ich lebe diese Phrase im vollen Umfang. Für mich allein.

Damit ist jetzt Schluss. Seit Monaten und Jahren träume ich davon gesehen zu werden und Alles was ich tun kann ist der Welt meine Werke zu zeigen. Wie ihr damit umgeht kann ich nicht beeinflussen, aber ab jetzt habe ich den Mut sie euch zu zeigen!

Mal sehen was passieren wird. Ich bin gespannt.

An die Künstler dort draußen:

Wie geht ihr mit dem Druck um? Euren eigenen Erwartungen an euch selbst? Wie wehrt ihr euch dagegen?